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Der italienische Wein

Was macht den Vino aus?

Italien ist seit den Römern an der Spitze der Weinhersteller

Ob Chianti, Barbaresco oder Lambrusco – jede italienische Region hat sich inzwischen mit ihren Weinen einen weltweiten Ruf erarbeitet – und die wenigen, die es noch nicht in die Top-Liste der Welt geschafft haben, sind dennoch auf dem Weg dorthin. Ja, das war schon früher so – wenn damals auch nicht aufgrund der hohen Qualität der italienischen Erzeugnisse.

Tatsächlich ist die Geschichte des Weins anfänglich keine italienische – der Weinbau war praktisch allen Völkern bekannt, in deren Umgebung die geeigneten Bedingungen für das Wachstum der Reben herrschten.

Etwas Weingeschichte

Erste Zeugnisse des Weinbaus liegen etwa zehntausend Jahre zurück. Um 500 vor Christus brachten die Griechen die Reben und die Weinkunst nach Gallien – aber auch die Römer betrieben Weinbau im großen Stil. Tatsächlich waren zur Zeit des Römischen Reiches bereits 130 Rebsorten bekannt. Um dem römischen Wein einen besseren Absatz zu garantieren, verboten die Besatzer den Weinbau der Gallier – und auch den der Germanen.

Aber eben die Germanen führten die Entwicklung der Weinkultur weiter. Als der römische Kaiser Probus die Verbote aufhob (ca. 380 n. Chr.), werden zum ersten Mal die Ufer des Rheins mit Rebstöcken bepflanzt. Unter Qualitätsaspekten lassen sich die damaligen Erzeugnisse kaum mit den heutigen vergleichen. Erst um 1800 beginnt das Zeitalter der höheren Qualität.

Italiens Stellung heute

Rund 20 % des weltweit erzeugten Weins stammt aus Italien. Das sind etwa 6 Milliarden Liter – und dennoch kein eindeutiger erster Platz, denn Frankreich liefert Italien ein stetiges Kopf-an-Kopf-Rennen.

Italien -  ein Wein-Land? Allerdings! In über 20 Regionen bemühen sich die Winzer, die Hänge mit Reben zu bepflanzen. Damit steht fast die gesamte landwirtschaftlich nutzbare Fläche der Hügel für den Weinbau zur Verfügung, da eine andere Nutzung kaum so lukrativ wäre.

Wein-Charaktere

Natürlich sind sowohl die Böden als auch das Klima der einzelnen Regionen sehr unterschiedlich. Sogar recht kleine Parzellen in relativer Nachbarschaft können andere Voraussetzungen haben. Aber der Schutz durch die Alpen gegen das kühlere Nordeuropa und die Mäßigung des mediterranen Einflusses durch die Appeninen verhindern klimatische Schwankungen. Besonders charakteristisch ist der Einfluss der Meere, die in ganz Italien einen mehr oder weniger direkten Einfluss auf die Vegetation haben. Aber auch bei den Böden gibt es hier eine große Bandbreite – von lehmigen Terracotta-Böden bis hin zu Vulkanerde.

Autochtone Reben

Am Anfang des 19. Jahrhunderts rafften einige aus Amerika importierte Krankheiten viele Reben dahin – europaweit ein schwerer Schlag für den Weinbau. Auch Italien und Frankreich waren betroffen, aber hier konnten sehr viele Pflanzen gerettet werden. Diese inzwischen uralten Pflanzen hatten im Laufe der Jahre die Möglichkeit, sich optimal an die klimatischen Bedingungen anzupassen und daher besonders hochwertigen Wein zu produzieren – man nennt sie die „einheimischen“ oder eben autochtone Weinreben. Ein wertvolles Kapital der tradierten Weinkunst, auf welches heute viel Wert gelegt wird.

Önologie

Die Weinproduktion benötigt nicht nur gute Rohstoffe: Bei der Reifung im Keller hat der Kellermeister heute einen großen Einfluss. Die Winzer der Toskana haben es vorgemacht und durch Verbesserungen der Kellertechnik zum Beispiel den Brunello oder den Chianti zu weltweiten Spitzenweinen gemacht.

Aktuell verzeichnen Weine wie Barolo, Barbaresco und Brunello rasanten Absatz – auch hier war die Erfahrung und Kunst im Keller entscheidend für den weltweiten Durchbruch.

Cuvée

Der Verschnitt von Weinen bedeutet schon lange nicht mehr ein minderwertiges Produkt als Streckmittel einzusetzen. Das Mischen verschiedener Rebsorten soll – ganz im Gegenteil – das Endprodukt verbessern und ist eines der Hauptmittel der Winzer, um die Qualität der Weine auf Weltniveau zu treiben. Eine Praxis, die auch die großen Weine des Bordeaux an die Weltspitze geführt hat.

Paradebeispiel für Italien ist der Chianti. Es handelt sich um einen Wein, dessen Tauben im Gebiet bestimmter Gemeinden in der Toskana gewachsen sind. Insgesamt gibt es sechs klassische Chianti-Zonen, die willkürlich durch Gemeindegrenzen festgelegt wurden und zum Teil sehr unterschiedliche Bedingungen für die Trauben beinhalten. Dementsprechend sind auch die Ergebnisse sehr unterschiedlich. Kommt der Wein aus dem eigentlichen Chianti-Gebiet zwischen Florenz und Siena, darf er sich Chianti Classico oder Chianti Classico Riserva nennen. Der Wein muss dann z.B. für eine bestimmte Zeit (für Riserva zwei Jahre) in Eichenfässern lagern, und es dürfen nur gewisse Rebsorten gemischt werden. Den größten Anteil hat immer die Sangiovese-Traube (mindestens 80 %). Andere Rebsorten sind Canaiolo und Cabernet Sauvignon. Weißweintrauben sind offiziell verboten.

Qualitätsangaben

Dass die Suche nach dem gewünschten Wein dennoch nicht ganz einfach ist, liegt an den zum Teil schwer verstehbaren Bezeichnungen auf dem Etikett einer Flasche – zunächst gibt es einige Angaben nach EU-Recht. Die unterste Kategorie stellt hierbei der Tafelwein (Vino de Tavola) dar, die nächst höhere Stufe sind die nach Gebiet und Rebsorte dokumentierten IGT-Weine (Indicazione Geografica Tipica). Darüber liegen die DOC- (Di Origine Controllata) und DOCG-Weine (vergleichbar mit der in Deutschland üblichen VPQRD-Angabe). Aber selbst bei letzteren gibt es wieder qualitative Sprünge, die sich auch auf den Preis des Produkts auswirken – wir bleiben beim Beispiel Chianti und haben eine exemplarische Erläuterung zusammengefasst.

Chianti-Bezeichnungen

Das Chianti-Gebiet gliedert sich in verschiedene Zonen, welche auf dem Etikett, jedenfalls auf dem rosaroten Prüfetikett, angegeben sein müssen. Die bekanntesten haben wir zusammengefasst. Die Abkürzung DOCG steht für „Di Origine Controllata e Garantita“ (kontrollierte und garantierte Herkunftsbezeichnung).

Chianti DOCG

Der einfachste Chianti. Entweder liegt das Weingut außerhalb einer der expliziten Produktionszonen, sozusagen nur im Chianti, oder der Wein erfüllt die strengen Kriterien der Gebiete nicht.

Chianti Classico DOCG

Diese Bezeichnung umfasst das Ursprungsgebiet des Chiantis. Hier sind meist die langlebigsten und feinsten Erzeugnisse zu finden. Allerdings liegen diese Weine auch preislich in einer gehobenen Klasse. Das Konsortium „Chianti Classico“ hat die Schutzmarke „Gallo Nero“ (Schwarzer Hahn) ins Leben gerufen. Das Logo auf dem Flaschenhals bürgt für die Qualität des Weins.

Chianti Colli Fiorentini DOCG

Meist jung zu trinkende „süffige“ Tafelweine, obgleich sie nicht unter diese Kategorie fallen. Erfreuen sich in Italien großer Beliebtheit, Qualitätstendenz steigend.

Chianti Colli Senesi DOCG

Südlichste Chianti-Zone, hier dominiert bereits der Anbau von Brunello- und Vino Nobile di Montepulciano. Der hier verkaufte Chianti erfüllt oftmals nicht die Bestimmungen der anderen südtoskanischen Hochgewächse – was nicht bedeutet, dass dieser Chianti schlecht sei.

Chianti Rufina DOCG

Dieser Chianti hat oft etwas mehr Körper als die anderen. Er stammt aus einem kleinen Gebiet östlich von Florenz und ist in der Regel lagerfähiger als der Chianti Classico.

aus: Atavola – Zeitschrift für italienische Küche, Kultur und Lebensart, Nr. 10 Oktober 2006